Regensburgerin on Tour

Semi-qualifizierte Kommentare über eTourism, Tourismus-Marketing, Social Media und Ähnliches.

#Hochwasser

In ruhigen Zeiten scheint das Internet nur für Katzenfotos und Pornographie gut zu sein, doch so bald es auf der Welt ordentlich rummst, zeigt sich das Potential, welches das Internet für eine Demokratisierung von Informationen bietet. Die Prozesse, die durch soziale Medien im Krisenfall losgetreten werden, haben wir erstmals bewusst im arabischen Frühling wahrgenommen. Allerdings begrenzt sich die Kenntnis der meisten Menschen in Europa, welchen Einfluß das Internet tatsächlich hatte, eher auf „Da war irgendwas mit Twitter“.  Zur Abwechslung ist jetzt mal die Kacke vor unserer Haustür am Dampfen: Die Flut kam, sah und siegte und ließ uns mit der Erkenntnis zurück, dass der Mensch eben doch nur ein Fliegenschiss im großen Ganzen ist. Hier ein paar Beispiele wie sich Kommunikation und Information 2.0 im Krisenfall Hochwasser abgespielt haben:

Informationsverhalten im Krisenfall

Da wäre mal zum einen ein interessantes Interview mit den Machern der Facebook-Seite „Infoseite – Hochwasser 2013 Bayern“, das einen kurzen Einblick gibt, wie viel Arbeit hinter solchen Hau-Ruck-Aktionen tatsächlich stecken und warum die traditionellen Medienkanäle nicht mit der Geschwindigkeit der Entwicklung mithalten können.  Nicht nur die Geschwindigkeit der Medienkanäle ist entscheidend, sondern auch das Zusammenführen von Information, damit die Information überhaupt erst auffindbar wird. In Sachen Twitter hat der Kanal Hochwasser2013 in über 12.000 Tweets die Pegelstände und Infos von 25 offiziellen Stellen und Medien gesammelt.

Unabhängig von der Hochwasser Situation in Deutschland hat HootSuite eine Infografik veröffentlicht, die zusammenfasst, wie die sozialen Medien in den Krisenfällen Tornado-Saison in den USA, Tsunami in Japan, Erdbeben in Haiti und Hurrikans Sandy genutzt wurden und welche Effekte sich daraus ergaben.

Selbst aktiv werden

Die sozialen Medien waren aber nicht „nur“ dazu da, um sich Informationen zu holen, sondern auch um selbst aktiv zu werden. Wie freiwillige Helfer und Hilfsbedürftige miteinander kommunizierten, zeigt dieser Artikel im Spiegel. Auch bereits bestehende Facebook-Gruppen wurden „zweckentfremdet“, so hatten sich beispielsweise in diversen Flohmarkt und Kleinanzeigen-Gruppen rund um München schnell Menschen gefunden, die anfingen Alltagsgegenstände und Spielwaren für die betroffenen Kinder zu sammeln und unbürokratisch nach Niederbayern zu bringen. Die Zeit fasst es treffend zusammen:

Im Gegensatz zum letzten schlimmen Hochwasser 2002, als es weder Twitter noch Facebook gab, vernetzen sich dieses Mal Hilfsbedürftige und Helfer intensiv über die Internetkanäle.

Allerdings ging diese „Amateur“-Hilfe mancher Orts auch nach hinten los: Im zweiten Teil des Zeit-Artikels wird deutlich, dass unkoordiniertes Vorgehen im Ernstfall THW und Konsorten behindern kann. Vielleicht ist dies eine Erkenntnis für die Zukunft, dass offizielle Stellen das Internet nutzen können, um Hilfswillige in den Einsatz einzugliedern.

Aus touristischer Sicht

Und weil ichs nicht lassen kann zu guter Letzt eben doch ein touristischer Blick auf das Thema. Wie schon einmal angesprochen hier ein Artikel von tourismuszukunft.de zur Diskussion ob und wie Destinationen über das Hochwasser im eigenen Zielgebiet kommuniziert haben. Größtes Learning aus diesen Beispielen sollte wohl sein, dass eben doch viele „Einheimische“ den Facebook-Seiten von DMOs folgen und sich so up-to-date halten, was in ihrer Heimat passiert. Diese Zielgruppe wird leider recht häufig vernachlässigt, obwohl sich hier viel Potential für Interaktion und den Aufbau eines gastfreundschaftlichen Images versteckt. Am Beispiel Dresden berichtet destinet, wie sich eine Destination nach einem Krisenfall mit kluger Kommunikation gegen ein schlechtes Folgeimage stemmen sollte.

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Nachtrag 24.06.

Gerade eben wurde bekannt gegeben, dass die Österreich Werbung die vom Hochwasser betroffenen Tourismusregionen mit Sonderbudgets und verstärkten Marketing-Maßnahmen unterstützen will. Das Hochwasser hat Österreich genau zur wichtigen Sommersaison erwischt. Mit der schnellen und unbürokratischen Soforthilfe sollen die Negativfolgen so gut wie möglich abgefedert werden. In Bayern scheint die Lage glimpflicher eingeschätzt zu werden. Laut Bayern Tourismus Marketing GmbH sind die Aufräumarbeiten so weit fortgeschritten, dass man von keiner Beeinträchtigung der Sommersaison ausgeht.

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Nachtrag 07.07.

Nun zieht auch die DTZ nach und verkündet einen Sonderetat für Marketingmaßnahmen in den Niederlanden, Österreich und Japan. In den beiden erstgenannten Ländern war die Berichterstattung anscheinend sehr negativ und Japan gilt als „sensibel“.

[Das Artikelbild ist übrigens ein Ausschnitt von Bezt – Fishing with the Death.]
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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Juni 23, 2013 von in Der Rest der Welt, Tourismus allgemein.

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