Regensburgerin on Tour

Semi-qualifizierte Kommentare über eTourism, Tourismus-Marketing, Social Media und Ähnliches.

Wadi Rum oder: Google is everywhere

Wadi Rum war der Hammer. Nichts bereitet einen auf diesen Ort vor. Die Farben, die Stille, der Sternenhimmel – unfassbar! Im Örtchen Rum, das den Zugang zum Nationalpark darstellt, leben fast ausschließlich Beduinen, die ihr Geld mit den Touristen verdienen. Mein Host betreibt z.B. ein Beduinencamp in der Wüste und bietet Kamel-, Jeep- und Wandertouren an. Er hat mir viele Dinge gezeigt und Ausflüge ermöglicht, die ich mir eigentlich nicht leisten konnte oder die den Touristen meist vorenthalten bleiben. Im Gegenzug habe ich ihm bei der Neugestaltung seiner Homepage und anderem online Kram geholfen. Und das war eine Erfahrung für sich!

Es fing schon damit an, dass mein Host zwar für die alltägliche Kommunikation gut Englisch spricht, aber bei IT-Themen wirds düster. Es wäre für mich bei vielen Sachen schon schwer genug gewesen, sie einem Laien auf Deutsch zu erklären, aber dann mach das mal auf rudimentär Englisch a la „Website…Links….no good“! Der Job selber hat echt Spaß gemacht und es hat sich in seinem Bekanntenkreis (jeder scheint hier ein Camp zu betreiben…) schnell rumgesprochen, dass da jemand mit dem ominösen Internet umgehen kann. Ein großes Problem war der Mangel an vernünftigem Bildmaterial. Die fahren hier jeden Tag mit Touris an diese wahnsinns Orte, aber haben noch nie ein Foto davon gemacht? Dementsprechend sind die Homepages mit 08/15 Fotos aus Wikipedia zugepflastert. Selbiges gilt für die Texte. Meine Hartnäckigkeit beim Thema Bildmaterial führte dazu, dass mein Guide mich bei unseren Ausflügen unablässlich fotografiert hat und da sich die Jungs hier gegenseitig die Fotos von den Homepages klauen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass ich in meinem sonnenverbrannten, ungewaschenen Zustand das neue Werbegesicht Wadi Rums werde…

Mir ist in dieser Woche zum ersten Mal klar geworden, wie US bzw. Europa zentriert das Internet doch ist. Die Idee eines weltweiten Netzwerks, dass jedem überall zu jeder Zeit offen steht, ist zwar schön und nett, aber der Ärger fängt schon mit URLs an: URLs werden von links nach rechts eingegeben – hier schreiben die Menschen aber von rechts nach links. Stellt euch einfach mal vor, ihr müsstet facebook.de rückwärts eintippen! Richtig bitter wird es bei den Google Diensten für Unternehmen. Für viele Optionen, wie z.B. Veränderungen eines Eintrags in Google Maps, muss man zunächst erst mal nachweisen, dass diese Firma xy unter der Adresse abc einem auch wirklich gehört. Sonst könnte ja jeder meine Telefonnummer im Google Maps Ergebnis abändern. Diese Verifikation ist außerhalb der Vereinigten Staaten oft nur per Post möglich. Per Postkarte bekommt man eine PIN an die Geschäftsadresse geliefert, mit der man sich online verifizieren kann. Klingt logisch und einfach, gell? Jetzt mach das mal in einem Land, in dem es keine Postadressen gibt! Außer in Amman und Aqaba gibt’s kaum Straßennamen, geschweige denn Schilder oder sowas verrücktes wie Hausnummern! Doch selbst in den großen Städten wird mit signifikanten Gebäuden navigiert. So sagt man dem Taxifahrer keine Adresse sondern im Stadtteil xy am zweiten Verkehrskreisel links usw. etc. pp. (Macht natürlich nen Heidenspaß, wenn kein Taxifahrer Englisch spricht…). Na gut, wie also ein Beduinencamp verifizieren, das mitten in der Wüste liegt? Wir haben die Postkarte jetzt mal ans Postamt der nächstgrößeren Stadt mit Postschließfachnummer schicken lassen – ich bin sehr gespannt, ob das hinhaut!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am April 22, 2013 von in Jordanien, Tourismus selbst erlebt.

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