Regensburgerin on Tour

Semi-qualifizierte Kommentare über eTourism, Tourismus-Marketing, Social Media und Ähnliches.

Arabische Gastfreundschaft: Mehr Schein als Sein?

Petra war mehr als seltsam. Der Ort selbst spottet jeder Beschreibung. Ich bin drei Tage lang durch die Anlage gewandert und habe trotzdem noch lange nicht alles gesehen. Eindruecke davon gibt es hier.
Allerdings war das drum herum nicht immer angenehm. An diesem Ort vereinen sich die positiven wie die negativen Seiten des Tourismus auf das Extremste. Mein Host war an Grosszuegigkeit nicht zu uebertreffen. De facto hat er ALLES gezahlt, selbst meine Taschentuecher, die ich Dank des Sandes in der Luft Paeckchenweise wegziehe. Permanente Gastfreundschaft und Aufmerksamkeit sind allerdings sehr anstrengend, vor allem wenn man taeglich stundenlang Schluchten auf und ab wandert. Mein Beduerfnis mich mal eine Stunde zurueckzuziehen wird als Langweile interpretiert, also hop-hop auf in die Wueste, um in einer 2000 Jahre alten Hoehle zu uebernachten! Ja, ich weis, jammern auf hohem Niveau, aber die arabische Gastfreundschaft hat so ihre Tuecken: Du musst! Und wenn du vor lauter Essen fast kotzt, egal, da geht noch was rein! So bin ich in der absurden Situation nach Strich und Faden verwoehnt zu werden, ohne es wirklich zu wollen. Nein sagen ist naemlich nicht drin, sonst ist der Gastgeber beleidigt.

Neben dieser sehr gut gemeinten Seite der arabischen Gastfreundschaft gibt es allerdings auch genug Leute, die dich permanent uebers Ohr hauen oder dir wahlweise an die Waesche wollen. In Petra ist diese Situation besonders extrem, da wohl an keinem anderen Ort Jordaniens so viele Touristen auf so engem Raum zusammen kommen. In Petra laufen gefuehlt 200 Leute rum, die ihr Geld als Pferde-, Kamel- oder Eseltaxi verdienen wollen – und das auf sehr penetrante Art und Weise. Auch beim Kauf von Postkarten muss man so aufpassen, dass man beim Wechselgeld etc. nicht uebers Ohr gehauen wird. Ich habe mittlerweile auch aufgehoert mitzuzaehlen, wie viele Horrorgeschichten mir ueber das Verhalten der Beduinen gegenueber allein reisenden Frauen aufgetischt wurden. Kurz gesagt: Du wirst hier entweder als Bank oder Freiwild betrachtet im schlimmsten Falle als beides! (Natuerlich nicht von allen, aber die negativen Erlebnisse praegen sich am meisten ein.)

Die Rolle der Beduinen im Tourismus ist so eine Geschichte fuer sich. Exemplarisch dafuer steht Petra. Noch bis vor ca. 40 Jahren haben hier 4 bis 5 grosse Beduinenfamilien gelebt, bis die Clanfuehrer zusammen mit der Regierung beschlossen haben, Petra zu „raeumen“, um eine touristische Nuztung moeglich zu machen. Im Gegenzug wurde unweit eine komplett neue Stadt mit Schulen etc. pp. errichtet. De Facto verdient beinahe jeder Beduine seinen Lebensunterhalt mit den Touristen. Die erfolgreichen Beduinen schimpfen allerdings ueber viele ihrer Stammesgenossen als „Zigeuner“, da deren aufdringliches und trickreiches Verhalten dem Image des ganzen Volkes schadet. Fuer meinen Host in Petra war z.B. jeder ein Zigeuner, der nicht zu den ursprunglichen Familien des Ortes gehoert. Auf meine Frage, warum der Petra National Trust (die Tourismusbehoerde des Ortes) dem Treiben keinen Einhalt gebietet, bekam ich die interessante Antwort, dass die Regierung in Amman angesichts des arabischen Fruehlings niemanden auf die Fuesse steigen will. Die Beduinen gelten naemlich als streitlustig, schwer regierbar und nicht zuletzt bewaffnet. So schaut die Regierung in Amman fuer den innere Stabilitaet dabei zu, wie sich in Petra Anarchie breit macht und das auf Kosten der Sicherheit der Gaeste! (Als Ausblick sei schonmal verraten, dass sich dieser negative Eindruck der Beduinen in Wadi Rum absolut nicht bestaetigt hat!)

Als naechste Station ging es nach Aqaba, was touristisch nicht sooo spannend ist. Ich habe mir die Nutzungsgebuehr fuer einen privaten Hotelstrand gegoennt (am Stadtstrand geht man naemlich nur bekleidet ins Wasser, du europaeische Schlampe, du!). Dann bin ich in eine Couchsurfing Party mit 6 verschiedenen Nationalitaeten gestolpert – sprich: Aqaba hat sich so richtig wie Urlaub angefuehlt. Honigkuchenpferd-Modus an!
Nach dieser erholsamen Einheit geht es nach Wadi Rum in die Wueste!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am April 12, 2013 von in Jordanien, Tourismus selbst erlebt.

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 205 Followern an

Regensburgerin on Twitter

Fehler: Twitter hat nicht geantwortet. Bitte warte einige Minuten und aktualisiere dann diese Seite.

%d Bloggern gefällt das: