Regensburgerin on Tour

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„I like Hitler! He hates Isreali people.“

Der Kulturschock geht fröhlich weiter. Die letzten 24 Stunden habe ich im Örtchen Feefa verbracht. (Man beachte: Ein Ö! Ich hab endlich rausbekommen, wie ich die Tastatur umstelle…) Feefa war vorsichtig ausgedrückt heftig. Wir waren dort, da uns die Organisation Foeme beauftragt hat, in der örtlichen Schule einen Garten zu errichten, der sich aus Gebrauchtwasser speist. Jetzt kann man da aber nicht einfach hinfahren und loslegen – nein, nein, nein. Wir sind ja Fremde, weil wir aus einem anderen Kuhkaff stammen und die Kuhkaff-Einheimischen wollen erst mal rausfinden, wer du bist, was du machst, was du willst, mit dem du verwandt bist etc. pp. Deswegen sind wir bereits gestern abend angereist und haben dort übernachten, um heute ungefähr 5 Stunden Arbeit unterzukriegen. (Ja, die Uhren laufen hier anders: Alles ist jani = vielleicht und bukra = morgen.) Als Europäer waren wir natürlich DIE Attraktion und jeder, der im Dorf irgendwas zu sagen hat, war am Start. Das hat viele, viele positive Seiten: Es gab Shisha und Goza, was wiederum eine Art Shisha ist und eigentlich aus Ägypten stammt. Der Witz an dem Ding ist der Tabak, der so feucht ist, dass die Kohle direkt auf den Tabak gelegt wird. Das macht ja mal ordentlich blöd im Kopf, aber lecker. Tanzen gelernt haben wir auch, was anscheinend so dämlich ausgesehen hat, dass sich das halbe Dorf versammelt hat, um zuzusehen. Das Essen war natürlich auch wieder erste Sahne oder saki, wie man hier sagt. Unter den Gästen war auch ein junger Kerl im DFB Trikot, der davon träumt, in Deutschland zu studieren. Interessanterweise denken die Moslems bei München nicht als erstes ans Oktoberfest (die meisten haben davon noch nicht mal gehört), sondern an Fußball und BMW. Und dann sitz ich da so und freu mich des Lebens und dann sagt dieser junge, weltoffene, halbwegs gebildete Typ „I like Hitler. He hates Isreali people. Do you like Hilter?“ und mir rumpelt das Hühnchenfleisch, auf dem ich grad rumkaue, sowas von in die falsche Röhre. Der Versuch ihm klarzumachen, dass seine persönliche Meinung zu Israel (was von Feefa ungefährt 5 Minuten weg liegt) eine Sache ist, aber ein paar Millionen Menschen in den Tod zu schicken und einen ganzen Kontinent mit Krieg und Chaos zu überziehen, mich definitiv davon abhält jemanden zu mögen, wollten nicht so recht fruchten. Anscheinend wird hier in der Schule über den Holocaust kein Wort verloren und viele Leute sind der festen Überzeugung, dass es sich dabei um einen von den Juden ausgedachten Mythos handelt, der ihnen die Besetzung Isreals ermöglicht hat.

Wenn man sich in fremden Kulturen bewegt, ist es wichtig sich immer wieder vor Augen zu halten, dass man nicht in den Kategorien falsch und richtig denken sollte, sondern einfach nur in „kenn ich schon“ und „das ist aber sehr sehr anders, als alles was ich kenne…“. Ich habe dem jungen Kerl nahegelegt, er soll mal ein paar Bücher zur deutschen Geschichte in die Hand nehmen, wenn er dort wirklich leben will, aber ich kann ihn nicht für ein Arschloch halten, weil er Dinge nicht weiß. Im Umgang mit anderen Nationalitäten passiert es mir immer wieder, dass ich Wissen und damit Verständnis vorrausetze, das einfach nicht da ist. Beispielsweise wollte William wissen, warum die Deutschen in Sachen Umweltschutz so weit vorne mit dabei sind und ich wollte ihm etwas über den Atomausstieg erzählen, aber das Gespräch scheiterte bereits daran, dass er noch nie etwas von Fukushima gehört hatte. Er dachte, ich rede von den Atombombenanwürfen und wunderte sich, warum wir erst Jahrzehnte später auf die Idee kommen, darauf zu reagieren. (Dass diese Frage durchaus berechtigt ist, sei mal dahin gestellt…) Ich musste in der Situation an einen Japaner denken, den wir in Dublin gehostet haben und der mir absolut nicht glauben wollte, dass es die Titanic wirklich gab und der Film mehr oder weniger auf Tatsachen beruht. Ausgelacht hat er mich, als ich meinte, in Belfast gibts ein Titanic Museum…

Tja, nun mögen mich die Leute hier mal nicht für unser Bier, trotz Onkel Ade, sondern für Onkel Ade, trotz Schweinebraten und Bier. Ich bin sehr gespannt darauf, ob sich die Denkweise der Menschen in den Städten von der Landbevölkerung unterscheiden wird. So long, one week to go in AL Mazraa.

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2 Kommentare zu “„I like Hitler! He hates Isreali people.“

  1. cutter kom (@cutterkom)
    März 23, 2013

    Das mit dem Oktoberfest ist schon verständlich, wenn Bier nicht zu den Grundnahrungsmitteln zählt 😉

    Und was WordPress olötzlich für eine fancy Fotogalerie hat…

  2. Pingback: Lesenswertes: Lektüre am Samstag | Schafott

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am März 23, 2013 von in Jordanien, Tourismus selbst erlebt.

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