Regensburgerin on Tour

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Endlich wieder on Tour

Nach immerhin einem Monat in Dublin bin ich endlich mal aus der Stadt heraus gekommen. Mit etwas mehr als 100 anderen internationalen Studenten ging es nach Galway. Galway ist sowohl der Name des Counties, sprich Grafschaft, als auch der drittgrößten Stadt Irlands…mit 75.000 Einwohnern. Besonders viel zu sehen gibt es in Galway Stadt nicht. Angeblich wurde in dieser Stadt die Lynchjustiz erfunden, als der Graf Lynch seinen Sohn wegen Mordes eigenhändig hingerichtet hat, nachdem der Henker sich weigerte. Man munkelt im Sommer sei Galway voller Menschen und Leben und bunt und jung und überhaupt voll toll… Als wir da waren hat es hauptsächlich geregnet und einer meiner Professoren würde es „a shit hole“ nennen. Hält die Iren nicht davon ab mal eben zwei der tollsten Lokale, in denen ich je war, in diesem verlassenen Kaff zu eröffnen. Da wäre zum einen Taaffes, wo kein Mensch weiß warum es heiß wie es heißt, aber das landesweit zu einem der besten Pubs für traditionelle Musik zählt. Zum anderen waren wir in der Griffins Bakery. Die Iren haben es zwar eher mit Tee als mit Kaffee, aber ihre „tea rooms“ wirken wie gemalt. Ganz abgesehen davon, dass Shortbread, Cupcakes und heiße Schokolade mit Marshmallows auch einen Pappkarton in einen Palast verwandeln könnten.

Galway war Ausgangspunkt für zwei Ausflüge. Samstag ging es nach Inishmore, die größte der drei Aran Islands… mit immerhin 800 Einwohnern. (Ihr merkt schon, ein Land der Superlative.) Nachdem ich die Überfahrt mit der Fähre kaasweiß (oho, Bayerisch!) und an die Reling geklammert überlebt hatte, ging es zunächst nach Dun Aenghus. Kein Mensch weiß so recht wann und warum diese Anlage gebaut wurde, aber allein die Lage an den Klippen ist einen Besuch wert. Ganz überraschend hat bei unserem Besuch nicht die Sonne gescheint, aber der Nebel hat die mystische Stimmung dieses Ortes nur verstärkt. Anschließend ging es nach Seven Churches, einer alten Klosteranlage, die ebenfalls mit Meerblick wunderschön liegt. Darüber hinaus sind die Aran Islands vor allem für ihre Wollprodukte bekannt. Hier werden die Paradebeispiele irischer Pullover gefertigt. Eine Besonderheit auf den Aran Islands ist die Sprache: Die Inseln sind ein sogenanntes Gealtacht, soll heißen die meisten der 800 Einwohner sind tatsächlich irische bzw. gealische Muttersprachler und haben Englisch oft erst in der Schule gelernt. Dementsprechend unterhalten sich die Menschen vor Ort untereinander An Geailge, was einem zusätzlich das Gefühl gibt ein paar Jahrhunderte in der Zeit zurück gereist zu sein.

Sonntag waren dann die Cliffs of Moher dran. DAS Naturschauspiel Irlands und wir sehen vor lauter Nebel absolut gar nichts! Von daher gibts darüber nicht viel zu erzählen.


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Das Wochenende darauf ging es in den Wicklow Nationalpark. Die Wicklow Mountains sind ein Gebiet nur wenige Kilometer südlich von Dublin, das sich die Menschen nie so richtig erschließen konnten und das uns deswegen heute noch erhalten ist. Als erstes haben wir den Guinness Lake besucht. Offiziell heißt er so, weil das Gebiet drum herum einem Mitglied der Guinnes Familie gehört, der gerne mal Berühmtheiten in sein Landhaus einlädt. Angeblich haben an diesen See schon Tiger Woods, Elton John und Michael Jackson geurlaubt. Inoffiziell heißt der See so, weil er dank 40m Tiefe pechschwarz ist und der weiße Sandstrand aussieht wie eine Schaumkrone -> Pint of Guinness. Bestechende, irische Logik! Nur knapp 10 Minuten davon entfernt befindet sich ein kleines Brückchen, das eigentlich niemanden groß interessieren würde, aber diese furchtbare Mistverfilmung von diesem furchtbaren Mistbuch „P.S. Ich liebe dich“ hat hier eine Schlüßelszene. Die beiden Hauptfiguren treffen sich auf eben jener Brücke zum ersten Mal. Deswegen muss man davon anscheinend ein Foto machen… dafür haben wir auch die Ebene gesehen, in der die erste Schlachtszene aus Braveheart spielt.

Anschließend ging es über eine abenteuerliche Straße tief in das Herz des Nationalparks. Diese Straße hatte das englische Militär quer durch die Wicklows gebaut, um den Rebellen, die sich in diesem Terrain bestens auskannten, nachzukommen. Beim Bau in dieser Ödnis, abgeschnitten vom Rest der Welt, sind hauptsächlich Häftlinge aus England eingesetzt worden, von denen nicht wenige an den Strapazen verstarben. Dank dieses Wahnsinns kann man heute als Touri vergleichsweise bequem bis zum Glenmacnass Wasserfall kommen. Recht viel dazu erzählen lässt sich nicht. Ist halt ein Wasserfall, der toll aussieht.

Das eigentliche Highlight der Tour ist das Glendalough Kloster. Im 6. Jh. haben sich hier Mönche am Fuße zweier wunderschöner Seen niedergelassen und die Anlage ist bis heute in Teilen erhalten geblieben. An der Stelle lasse ich auch lieber die Fotos für sich sprechen. Eine schöne Anekdote am Rande: William Wilde, der Vater von Oscar Wilde, hat seinerzeits die Sanierung des Round Towers veranlasst. Also irgendwann in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Bis dahin allerdings, somit annähernd dreizehn Jahrhunderte, stand das Ding ohne Mörtel!

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2 Kommentare zu “Endlich wieder on Tour

  1. Katha
    Oktober 17, 2011

    „Hier werden die Paradebeispiele irischer Pullover gefertigt.“ WTF!!! Was ist denn ein Paradebeispiel eines irischen Pullovers?

    • carolink0
      Oktober 17, 2011

      Weil es in diesem Land beknackt kalt ist, es unfassbar viele Schafe gibt und die Fischer sich ordentlich warm anziehen müssen, hat sich hier das Strickhandwerk so ziemlich perfektioniert. Die Muster der schweren, dicken, aber kuscheligen Strickpullis haben ursprünglich anscheinend tiefer gehende Bedeutungen gehabt. Dank der Qualität sind die Aransweater heute über Irland hinaus berühmt und ein beliebtes Mitbringsel. Heißt aber auch, dass jeder Wollpulli der Insel behauptet von den Aran Islands zu sein und deswegen gibt es auf Inishmore die Paradebeispiele, weil jeder versucht sie zu kopieren.

      Erdkundelektion Nummer 2.
      Und wenn du schon um 9 Uhr morgens brav in der Bib sitzt, dann tu doch was für die Uni 😛

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Oktober 16, 2011 von in Irland, Tourismus selbst erlebt.

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