Regensburgerin on Tour

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So far, so good

  • Großereignis 1:

Ein historischer Tag für Dublin: Das erste Mal seit 1995 gewinnt Dublin die All-Ireland Football Meisterschaft. Wir reden hier nicht von Football, wie wir es aus den USA kennen, sondern von Gaelic Football. Eine traditionelle Sportart, die es nur in Irland und Australien gibt. Der Croke-Park in Dublin – das Stadion und somit Zentrum der Stadt für diesen Tag – ist von unserer Wohnung 5 min. entfernt, dennoch sind wir lieber in einen Pub gegangen (wie sich das für Sonntags um 2 Uhr Nachmittags gehört). Es war einfach der Wahnsinn! Ich habe mir die Regeln für dieses Spiel erst am Vormittag durchgelesen, aber die Stimmung in der Stadt war so mitreissend, dass ich bis zur letzten Minute mitgefiebert habe, als ob ich ein echter Dub wäre. Come on ye boys in blue! Man sieht es vielleicht am Video, dass ich de facto gezittert habe, aber zu Recht! Was für ein Spiel. Kerry hat in den letzten 10 Jahren 5 Meisterschaften gewonnen und gilt als das erfolgreichste Team dieser Sportart, somit war Dublin klarer Außenseiter, aber das Spiel war sehr ausgeglichen und so kam es zu einem dramatischen Ende. In der wortwörtlichen letzten Minute verwandelte Goalkeeper Stephen Cluxton einen Freistoß und Dublin gewann 14 zu 13. Schrei 1: Fieldgoal. Schrei 2: Abpfiff. Im Pub bricht die Hölle los, aber die Stimmung in der Stadt ist und bleibt absolut friedlich. In Deutschland wäre es bei einem Bundesligaspiel nicht denkbar, dass „verfeindete“ Fans so friedlich zusammen feiern.

Kurz was zum Sport:

Im Gaelic Football wird der Ball entweder mit dem Fuß geführt oder mit der Hand. Wenn man ihn mit der Hand führt, muss man ihn alle 4 Schritte entweder am Boden auftippen lassen oder ihn sich selbst mit dem Fuß wieder in die Hand spielen. Allerdings darf man nicht zwei mal hintereinander auftippen, sondern muss diese beiden „Dribblings“ abwechseln. Es gibt Tore wie im Fussball, die mit 3 Punkten gezählt werden und Fieldgoals wie im Football, die mit einem Punkt gezählt werden. Der Sport ist hauptsächlich schnell und brutal. Was ich absolut bemerkenswert finde: Es ist ein reiner Amateursport. Diese Jungs verdienen nichts und spielen nur für die Ehre ihrer Stadt.

  • Großereignis 2:

Die Iren feiern sehr gerne und die Iren mögen Guinness. Das passt praktischerweise sehr gut zusammen. Nun ist die Guinness Brauerei aber nicht nur für ihr Gesöff bekannt, sondern vor allem für ihr Marketing. Da haben sich die schlauen Leute von Guinness 2009 gedacht „Hey, 250 jähriges Jubiläum unseres Bieres. Lasst uns einfach einen Feiertag erfinden!“ Gesagt, getan, somit fand dieses Jahr am 22.09. zum dritten Mal der Arthur Guinness Day statt. Um Punkt 17:59 Uhr Ortszeit (1759 = Gründungsjahr der Brauerei), haben gefühlte 400.000 von 500.000 Dublinern ein Guinness erhoben und wie die Wilden „To Arthur!“ gebrüllt. Nu kann man eine Motztüte sein und sagen „Ist doch nur eine Ausrede für ein riesiges Besäufnis!“, dann sag ich „Joa, ist das Oktoberfest auch und heutzutage gilt das als Kulturgut.“ Also wer weiß wie weit es der Guinness Tag noch bringen wird.

  • Großereignis 3:

Bei der Terminfindung der nächsten Veranstaltung ist es ein bischen wie mit dem Ei und dem Huhn. Was war zu erst da? Haben sich die Iren gedacht nach dieser Sauferei am Arthur Day wäre ein bischen Kultur angebracht, oder haben die Iren beschloßen sie ertragen Kultur nur, wenn sich noch vom Vortag blau sind? Jedenfalls folgt auf den Arthur Guinness Day die Culture Night. Museen, Gallerien und viele touristische Attraktionen Dublins sind in dieser Nacht kostenlos zugänglich. Weil wir arme Studenten sind und 10 Euro Eintritt doch ne Menge Geld ist (2 Pint oder ein Pitcher, je nach Lokal…) , sind wir zum Guinness Storehouse gegangen. Das Besucherzentrum der Brauerei ist im Inneren wie ein Pintglas gefüllt und somit das größte Pintglas der Welt, welches rein theoretisch 4 Millionen Pint fassen würde. Das war dann aber auch schon das Spektakulärste. Wenn man nicht gerade weiß wie Bier gebraut wird (d.h. ein rechter Saupreiss is), dann mag man die Ausstellungen evtl. noch wissenswert finden, aber das Thema ist nach ein paar Stationen abgehandelt. Dennoch hat Guinness es geschafft sich auf 7 Stockwerken selbst zu beweihräuchern. Für Marketing Interessierte gibt es noch einen kleinen Abriss zur Werbegeschichte der Marke und eine „Wall of Fame“ mit den Unterschriften aller Braumeister seit Arthur himself ist schick anzuschauen, aber das war es dann eigentlich. Von der Gravity Bar im obersten Stockwerk hätte man einen schönen Blick auf die Stadt, aber einen Platz am Fenster kriegt man sowieso nicht, also macht lieber nur das Standardfoto von euch vor dem schwarzen Brauereitor und investiert die 10 Euro in einem Pub. Im Idealfall lernt ihr dabei wesentlich mehr über Guinness, als in der Touristenfalle Storehouse.

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2 Kommentare zu “So far, so good

  1. Digitalbeduine
    Oktober 14, 2011

    In 100 Jahren wird man ja sehen, ob es der Guiness Day zum nationalen Feiertag geschafft hat. Aber bis dahin reichts der Firma jedenfalls, wenn dadurch ein bisschen Geld in die Kasse kommt. Interessant wird die Sache, wenn solche Aktivitäten auch von anderen Nationen/Markenbesitzern kopiert werden. Spreegurkentag-Tag für Deutschland (Was man da wohl machen könnte?) Oder „Journée du Ricard“ in Frankreich? 😉

    • carolink0
      Oktober 14, 2011

      Das Schlüßelelement zu dieser Veranstaltung ist meiner Meinung nach die starke Verbundenheit zwischen Marke und Stadt. Guinness steht ja quasi für Irland und umgekehrt. Ich weiß nicht ob das in Deutschland landesweit funktionieren würde, aber z.B. einen Augustiner-Tag in München kann ich mir sehr wohl vorstellen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am September 27, 2011 von in Irland, Tourismus selbst erlebt.

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